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Tauben

Verwilderte Haustauben (Columba livia domestica)

Verwilderte Haustauben - ein Problem in unseren Städten

Geschichte
Taube Bereits in der Mitte des vorigen Jahrhunderts gab es in unserem Gebiet verwilderte Haustauben (Columba Livia Domestica), die in ihrem Ursprung in den Haustaubenbeständen hatten, aus denen aus denen sich immer wieder vereinzelte Tiere absonderten. Nach dem zweiten Weltkrieg vermehrten sich die Vögel sehr stark. Diese Zunahme läßt sich vor allem auf die im Krieg zerstörten Häuser zurückführen, in denen die verwilderten Haustauben lange ideale Lebens- und Nistmöglichkeiten fanden. Eine weitere Ursache der Zunahme des Bestandes war die abnehmende Zahl natürlicher Feinde, vor allem von Greifvögeln.

Taube So wurden die verwilderten Haustauben zu herrenlosen Tieren, deren Entwicklung im laufe der Jahre eigene Wege nahm. Sie leben insbesondere in Straßen, auf Plätzen und in Parks, so daß man sie heute auch als Stadttauben bezeichnen kann. Über den Bestand an Stadttauben in einzelnen Großstädten liegen leider keine genauen Angaben vor.

Bürgern, die ihren Unmut durch die bestehenden Belästigungen durch Tauben äußern, stehen Bürger gegenüber, die Tauben maßlos und regelmäßig auch in Wohn- und Geschäftsbereichen füttern.

Sind denn tatsächlich Auswirkungen auf unsere Tiere und die Gesundheit des Menschen möglich?

Zugängliche Dachböden, Mauernischen, Trägerkonstruktionen von Brücken, Bahnhöfe und Fabrikhallen werden von Tauben als Brutplätze genutzt, so daß dadurch ein enger Kontakt zum Lebens- und Arbeitsbereich von Menschen möglich wird.

Verbreitung von Krankheitserregern durch Stadttauben
In bestimmten Situationen ist nicht auszuschließen, daß die Stadttauben Krankheitserreger verbreiten können. Beispielhaft sind hier die Erreger der Ornithose, einer grippeartigen Allgemeinerkrankung unter Beteiligung der Lunge zu nennen. Die o.g. Situation kann im Einzelfall beispielsweise gegeben sein, wenn Taubenschwärme im Bereich von Krankenhäuser oder Lebensmittelbetrieben auftreten. In diesen Fällen muß das zuständige Gesundheitsamt eventuell in Verbindung mit dem Veterinär- und Lebensmittelaufsichtsamt prüfen, ob eine gesundheitliche Gefährdung besteht.

Durch Stadttauben können auch Tierseuchenerreger auf Zucht- und Nutzgeflügel sowie auf Vögel in der freien Natur und in Zoologischen Gärten weiterverbreitet werden. Dies kann zu erheblichen Schäden führen. So mußten 1984 in England 800.000 Hühner getötet werden, weil 22 Hühnergroßbetriebe mit einer Virusseuche befallen waren. Ausgangspunkt war ein Schwarm von ca. 30.000 verwilderter Tauben im Hafengebiet von Liverpool. Sie hatten die Futtermittelsilos des Hafens und der Futtermischwerke mit erregerhaltigen Kot verunreinigt.

In den Wohn- und Arbeitsbereichen des Menschen können eine Reihe von Schädlingen und sog. Lästlinge überwechseln, die in den Taubennestern vorkommen.

Von der in Brutstätten zu findenen Artenvielfalt sind für den Menschen die rote Vogelmilbe, die Taubenzecke und die Larven des Speckkäfers als Vermittler von allergieauslösenden Stoffen von besonderer Bedeutung (die beiden erstgenannten Arten sind Blutsauger).

Feder- und Kotstaub der Tauben sowie Zerfallprodukte der Schädlinge oder Lästlinge können ebenfalls Allergien verursachen.

Zur Verhütung und Bekämpfung übertragbarer Krankheiten bei Mensch und Tier ist es daher unter anderem erforderlich, einem massenhaften Auftreten von Stadttauben durch Verzicht auf maßloses und regelmäßiges Füttern, insbesondere in Wohn- und Geschäftsbereichen Einhalt zu gebieten.

Jährlich setzt eine Taube 10-12 kg Naßkot bzw. 2,5 kg Trockenkot ab.
Dieser sammelt sich insbesondere an den Ruhe-, Brut- und Futterplätzen an und wird zum Teil auch als sogenannter Angst- oder Schreckkot im Fluge abgeworfen. An bestimmten Punkten können sich erhebliche Kotmengen anreichern. Man hat auf Dachböden mit offenen Dachluken Kotschichten mit einer Dicke von 30 cm und mehr gemessen.

Die von den Schwärmen produzierten Kotmengen sind ekelerregend durch Anblick und Geruch. Sie führen durch ihren Gehalt an ätzender Harnsäure zu Gebäudeschäden und zerstören Denkmäler. Ja sogar Metallteile bleiben nicht intakt, so daß auch Maschinen und technisches Gerät, beispielsweise in Werk- und Flugzeughallen, gefährdet sein können.

Bei feuchtem Wetter werden die durch den Taubenkot beschmutzten Gehwege und Plätze schlüpfrig und können besonders für ältere Menschen eine Unfallgefahr darstellen. An derartigen Mißständen ist nicht die Stadttaube schuld; Ursache sind in der Regel Vernachlässigungen an Gebäuden, insbesondere defekte Dächer und offene Dachluken.

Die Futteraufnahme durch Stadttauben - Schattenseite der zusätzlichen Fütterung

Die natürliche Nahrung der Tauben besteht neben Samenkörnern von Kultur- und Wildpflanzen aus jungen Pflanzensprossen, aber auch aus Schnecken, Würmern, Insekten sowie Steinchen (für die mechanische Zerkleinerung im Muskelmagen) und Mineralien. Für eine normale Entwicklung muß außerdem Wasser zum Trinken und zur Körperpflege in angemessener Nähe zum Brut- und Schlafplatz vorhanden sein.

In unseren Städten und Gemeinden werden leider auch täglich große Schwärme in Wohn- und Geschäftsbereichen von nicht wenigen Bürgern zusätzlich und reichlich mit allerlei Freßbarem versorgt. Küchenabfälle jeglicher Art werden ausgestreut. Damit wird eine Fütterung praktiziert, die dem natürlichen Bedarf Der Stadttauben ganz und gar nicht entspricht und negative Folgen für die Tiere hat. Dem Futter fehlen in der Regel Vitamine, Mineralstoffe und Eiweiß. Dieser Mangel macht die Tauben anfällig für Krankheiten und Parasiten. Zum Teil haben sich feste Futterplätze gebildet, an denen sich bis zu hunderten von Tieren ansammeln. Dabei verdrängen die kräftigen Männchen die schwächeren Weibchen und Jungtiere . Das Resultat ist: übergewichtige Männchen und halb verhungerte Weibchen und Jungtauben.

Fütterung = Fressschwärme

In der Regel verbleiben diese sogenannten Freßschwärme in einem begrenzten Gebiet mit einem Durchmesser von 600 - max. 1500 m. Sie suchen aber dann weiter entfernte Freßplätze auf, wenn das Futterangebot dort besonders groß ist.

Fütterung = Ratten

Das von den Tauben nicht aufgenommene Futter lockt insbesondere Ratten an. Ratten sind Schädlinge, die ihrerseits Krankheitserreger auf den Menschen übertragen können.

Für einen natürlichen Taubenbestand
Taubenfreunde und Taubengegner sollten sich vor Meinungsäußerungen gründlich informieren. Stadttauben können ein Alter von 20 Jahren erreichen. In Einehe lebend, vermehren sie sich vom zeitigen Frühjahr bis zum Spätherbst ohne Pause.

Während die Täuberiche noch ihre flüggen Jungen füttern, beginnen die Täubinnen bereits mit erneuter Eiablage - meist sind es zwei Eier - und mit dem Brüten. Die Jungen schließen Wachstum und Gefiederbildung bereits mit der 5 Lebenswoche weitgehend ab. Nach 5-6 Monaten sind sie Geschlechtsreif und legen ihre ersten Eier, aus denen nach 17-tägigem Brüten erneut die Jungen schlüpfen. Je nach Umweltbedingungen hat jedes Taubenpaar 3-7 Bruten mit 3-10 flügge werdenden Jungen (im Durchschnitt 5)

In den dichtbesiedelten Wohn- und Geschäftsbereichen der Städte sind die Überlebenschancen der Jungtauben gering. Über die Hälfte der Taubenjungen überleben hier das erste Lebensjahr nicht.! Sie gehen an Fehlernährung, Parasitenbefall und Mangel an Hygiene zugrunde. Junge Tauben, die in städtischen Randgebieten mit Grünanlagen aufwachsen, überleben dagegen zu 60 % das erste Lebensjahr. Dies ist vorwiegend auf die unterschiedliche Futtergrundlage zurückzuführen, die in den Stadtzentren durch einseitige Zusammensetzung (Weizen, Brotreste, Pommes frites usw.) nicht taubengerecht ist und zu erheblichen Mangelerscheinungen führen kann. Das "unnatürliche" Füttern führt aber auch dazu, daß Tauben durch das übermäßige Futterangebot aus der Umgebung in den Stadtkern gelockt werden. Mit "Tierliebe" hat maßloses und regelmäßiges Füttern der Stadttauben in Wohn- und Geschäftsbereichen überhaupt nichts zu tun!

Was ist Taubengerecht?
Massive Taubenfütterung kann in Wohn- und Geschäftsbereichen vielfachen Schaden anrichten. Sie bedeutet einen Eingriff in natürliche biologische Abläufe. Tauben müssen das Futter ihrem Bedarf entsprechend selbst zusammensuchen. Bereits nach wenigen Jahren bildet sich dann ein den Bedingungen der Stadt angepaßter Taubenbestand heraus. Die Stadttaube bereitet dann dem Menschen Freude ohne zu schaden.

Quelle: Informationsschrift der Senatsverwaltung für Gesundheit, Abteilung Umweltmedizin - Berlin

Taubenabwehr
Möglichkeiten der Regulierung des Taubenbestandes

1. Einstellung der maßlosen und regelmäßigen Fütterung
Wichtigster Weg gegen Verschmutzung der Umwelt und gegen Belästigung durch massenhaftes Auftreten von Stadttauben. Dient gleichzeitig auch der Verbesserung der Lebensbedingungen der Stadttauben.
2. Regulierung der Nistgelegenheiten
Behebung von Sicherungsmängeln auf Dachböden, Berücksichtigung bei der Gestaltung von Häuserfassaden, einschließlich Reklameeinrichtungen; Aufstellen von Taubenhäusern.

Arten der Taubenabwehr

1. Abwehrmaßnahmen durch Verkleben von Spikes / Ecopic - System
2. Abwehrmaßnahmen durch Vernetzung
3. Abwehrmaßnahmen durch Verdrahtung
4. Vertreibung der Tauben von Ihren Brutplätzen mit Geruchsstoffen (Repellentien)
5. Hormone und andere Tierarzneimittel

Die Abwehrmaßnahmen richten sich nach der Beschaffenheit und den Besonderheiten des zu schützenden Objektes.
Oft kann nur die Kombination mehrere verschiedener Maßnahmen eine dauerhafte Lösung herbeiführen.
Einer Taubenabwehr geht immer eine gründliche Reinigung der zu schützenden Bereiche voran.

1. Spikes oder Ecopic-System
Anwendungsbereiche: Gesimse, Mauervorsprünge, Stahlträger u.ä. Flächen.
Hier gibt es Elemente mit verschiedenen Breiten, die auf die betreffenden Flächen verklebt werden.

2. Vernetzung
Anwendungsgebiete: Reklame über Geschäften, Figuren an alten Gebäuden, größere Flächen (z.B. an Stahlkonstruktionen), Balkone u.ä. Flächen.
Das Netz wird an einer gespannte Randleine so straff verspannt, das die Tauben die Bereiche nicht mehr anfliegen können.
Wenn das Netz gerade gespannt ist und farblich auf das Mauerwerk abgestimmt ist, wird es kaum noch wahrgenommen.

3. Verdrahtung
Anwendungsgebiete: Gesimse, Fensterbretter, Dachrinnen, Schneefanggitter, Blitzableiter, Rohre u.ä.
Hier werden Trägerelemente verwendet, die genau für die einzelnen zu schützenden Bereiche entwickelt wurden.
Trägerelemente für Gesimse gibt es für 2 Drähte mit Unterflugschutz (Gesimse bis 12cm) bis zu 9 Drähten mit Unterflugschutz (bis 55cm Gesims).
Die Trägerelemente können genietet, geschraubt oder geklebt werden. Die Auswahl richtet sich nach der Beschaffenheit der Bausubstanz.
Im Abstand von max. 1,5 Meter werden die Trägerelemente installiert und mit Draht und Feder verspannt.

4. Repellentien - Vertreibungsmittel
Hier werden Geruchsstoffe auf Nistplätze, Brutstätten und Sitzplätze gestrichen oder gepritzt.
Diese Mittel wirken auf die Nasenschleimhäute der Tauben.
Die Tauben meiden dann die behandelten Flächen.
Es gibt auf dem Markt noch verschiedene andere Systeme, die sich aber in ihrer Anwendung ähneln.
Egal für welches System man sich entscheidet, das zu schützende Objekt darf durch die Abwehrmaßnahmen weder beschädigt noch verschandelt werden.

5. Hormone und andere Tierarzneimittel
z.Z. ist kein sicheres Mittel ohne Nebenwirkungen zugelassen.